Was sind "Griechische Taenze" eigentlich?

"Griechisch" ist in diesem Zusammenhang ein kultureller Begriff. Staatsgrenzen haben meist wenig zu tun mit dem Lebensraum ethnischer Gruppen; der griechische Kulturraum ist sehr alt und  ueber riesige Gebiete verstreut. Das Kerngebiet ist etwa identisch mit der Grenze von Byzanz zur Zeit der groessten Ausdehnung: Im Norden die Donaugrenze, im Osten der Kaukasus, im Sueden die Linie Zypern - Kreta und im Westen Sueditalien und Sizilien. Dagegen ist der moderne griechische Staat erst im 19. Jhdt. entstanden (Kreta kam 1908 zu Griechenland, Rhodos erst 1945) und umfasst nur einen kleinen Teil des gesamten Verbreitungsgebietes der griechischen Kultur.

 

Griechische Taenze lernen bei einem "Nicht - Griechen!" ?

Falls Sie aus Oesterreich sind: Wieviele der oesterreichischen Taenze kennen Sie und wieviele davon KOENNEN Sie tanzen? Man trifft oft Leute, die glauben, dass es genuegt Grieche zu sein, um griechisch tanzen zu koennen; sie verwechseln dabei Begeisterung und Koennen. "Grieche" ist die Zugehoerigkeit zu einem kulturellen Bereich, aber keine Tanzqualifikation! Aber auch Griechen, die gute Taenzer sind, haben meist grosse Probleme mit den verschiedenen Tanzstilen. Die regionalen Unterschiede der Stile sind extrem gross, und die meisten Griechen sind von der Gegend, in der sie aufgewachsen sind, stark gepraegt. In diesem Punkt haben Nicht-Griechen den grossen Vorteil, sich viel leichter an diese Unterschiede anpassen zu koennen.

 

Wieviele griechische Taenze gibt es eigentlich?

Weit mehr als 2300! Diese unglaublich grosse Anzahl kommt dadurch zustande, dass sehr viele Regionen, Inseln und  oft auch Doerfer ihre eigenen Taenze haben. Beispiele: 120 bewohnte Inseln mit durchschnittlich fuenf Taenzen pro Insel = 600 Inseltaenze; oder: Die Ortschaft Vamvakofito im Landkreis Serres (Bezirk Sidirokastro) hat ca. 1700 Einwohner aber 8 (!) eigene Taenze, die bereits im Nachbarort weitgehend unbekannt sind. Dazu kommen noch Taenze die nur bei bestimmten Anlaessen getanzt werden. (Bei Hochzeiten, am Ostersonntag, am Polterabend, am Namenstag von Heiligen, u.s.w.).< /FONT > < /STRONG >

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Wie ist das mit dem "SIRTAKI"?

Dieser Tanz ist im Prinzip authentisch, stammt aus Byzanz und ist mindestens 700 Jahre alt. In Byzanz waren die Schlachter und Metzger in einer eigenen Zunft zusammengefasst und hatten einen eigenen "Zunft-Tanz", den "Chassapikos" (Schlachtertanz) oder "Makellarios"  (Metzgertanz). Der Name "Sirtaki" wurde 1964 in Paris bei einer Werbeagentur erfunden! Eine Plattenfirma wollte die Filmmusik von "Alexis Zorbas" unter einem klingenden Namen auf den Markt bringen; so wurde der Name "Sirtaki" durch die Werbekampagne populaer; der Name klingt griechisch und ist leicht auszusprechen. Der Name "Sirtaki" - korrekter "Syrtaki" - bedeutet: "Kleiner Syrtos". Taenze mit dem Namen "Syrtos" sind sehr verbreitet, haben aber mit dem "Hassapikos" nicht das Allergeringste zu tun !  Wenn Griechen den Namen "Sirtaki" verwenden, tun  sie das, um den Touristen (die ja viel Geld ins Land bringen) einen Gefallen zu tun, viele juengere Griechen allerdings aus blanker Unkenntnis.

Mikis Theodorakis hatte beim Komponieren der Filmmusik teilweise auf aeltere Eigenkompositionen zurueckgegriffen; so ist das Intro von "Zorbas Dance" identisch mit dem Intro von "Strose to stroma sou" aus dem Zyklus  " I Jitonia ton angelon". Erst der Regisseur kam auf die Idee, die Hauptdarsteller  beim Filmfinale tanzen zu lassen; die Musik dafuer ist zwar ungemein mitreissend  und eindrucksvoll, aber leider zum serioesen Tanzen voellig ungeeignet. Dazu kam, dass Anthony Quinn zwar ein hervorragender Schauspieler, aber kein begnadeter Taenzer ist und Allan Bates sich knapp vor der Aufnahme den Knoechel verletzte. Der Regisseur liess daraufhin einige Schritte andeuten, der Rest der Szene besteht aus raffiniert geschnittenen Einzeleinstellungen, die eine Tanzszene nur darstellen, aber bei denen gar nicht getanzt wird !  Die enorme Tempo-steigerung gegen Ende  ist voellig unauthentisch und hat in der Praxis meist nur die Folge, dass die Tanzenden im Lokal mit irgendwelchen schnellen Schritten ueber die Tanzflaeche taumeln und ein ziemlich wuerdeloses Bild abgeben - nach dem Touristenmotto: "Hauptsache: Stimmung !!"   Professionelle Gruppen zeigen dafuer Ballettchoreographien, die mit  einem Volkstanz absolut nichts zu tun haben; zum Vergleich: Die Fernsehuebertragungen des Neujahrskonzertes aus Wien bringen zu Walzermusik wunder-schoene Ballett - Einlagen; aber ein normaler Walzer hat damit wirklich nichts gemeinsam! 

Zusammenfassend: Der Begriff "Sirtaki" sollte in der untersten Touristenschublade verschwinden und dort bleiben ! 

Amuesanterweise kommt das Wort "Sirtaki" weder im Buch "Alexis Zorbas" vor noch im Film, ja nicht einmal auf der Platte, fuer deren Werbung ja der Name erfunden wurde; auf der Platte steht naemlich "Zorba�s Dance"!

 

 

  

 
 
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